Resilienz – heute wichtiger denn je.

Resilienz – schon mal gehört? Wie spricht man das denn aus? Und - was bedeutet das?

Am 27. Juli lud das Netzwerk Fortbildung in Biberach zu einem Workshop mit diesem Thema in die Bibliothek/Mediothek des Berufsschulzentrums ein.  Mehr als 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten von der Referentin, Ute Roth begrüßt werden.

Als Expertin für Selbst- und Zeitmanagement hat sie langjährige Erfahrung wie Stress mit Resilienz kompensiert werden kann. In den folgenden zwei Stunden verstand sie es, den Zuhörern, auch anhand von Beispielen aus dem Alltag, nahe zu bringen, was Resilienz bedeutet und wie man seine eigenen Potenziale entdecken und stärken kann.

Dieses sperrige Wort Resilienz (lat. resilire=zurückspringen) kommt ursprünglich aus der Materialstoffkunde und beschreibt hier, wie ein Material nach Beanspruchung wieder in seine alte Form zurückspringt.

Was hat das mit uns zu tun?

Schon in der Schule und später im Berufsleben geraten wir bei der Bewältigung von zu vielen Anforderungen auf Dauer in Stress.
Stress ist zwar primär eine natürliche Reaktion, die sich in bedrohlichen Situationen einstellt. Stresshormone durchfluten unseren Körper, um diesen mit Energie für Kampf oder Flucht zu versorgen. Der heutige Mensch aber kann im Gegensatz zum Urmenschen meist weder aus seiner bedrohlichen Situation (am Arbeitsplatz oder auch in der Familie) fliehen, noch physisch kämpfen. Und wenn so nicht adäquat auf den Stress reagiert werden kann, macht er krank.

Es benötigt also eine seelische Widerstandsfähigkeit oder Unverwüstlichkeit– Resilienz. Resilienz ist gewissermaßen das Immunsystem der Seele.
Ein Stehaufmännchen kann als Sinnbild für diese Widerstandskraft gelten - diese Spielzeugfigur besitzt die Fähigkeit, ihre aufrechte Haltung aus jeder beliebigen Lage wieder einzunehmen.

Für Menschen in allen Lebenslagen und in jedem Lebensalter ist es daher  von großer Bedeutung, die persönliche Resilienz zu stärken. Resiliente Menschen lassen sich von widrigen Lebensumständen, Lebenskrisen und Schicksalsschlägen nicht unterkriegen. Sie können kreativ und flexibel in Krisen reagieren, in denen andere sich hilflos fühlen. Belastungen erleben resiliente Menschen eher als Herausforderung denn als Problem  oder unlösbare Krise.  Sie erholen sich schneller von Fehlschlägen und Niederlagen als Menschen, die über eine geringe Resilienz verfügen.

Resilienz ist ein Kompetenzbündel, das Selbstvertrauen, souveräne Selbststeuerung, innere Festigkeit, hohe Stressresistenz, Flexibilität, Freude an Neuerungen, Vertrauen in Wandel, klare Werteverankerung, kreatives Denken und einfühlsame Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit miteinander verbindet und damit die gute Basis für ein selbstbewusstes Leben bildet.
Die Stärkung der eigenen Ressourcen steht dabei im Mittelpunkt.

Warum bewältigen manche Menschen Krisen besser als andere?
Resilienz ist nicht angeboren, sondern im Laufe der Entwicklung erlernt. Der Grundstein hierfür wird in der Kindheit gelegt. Da eine gute Resilienz also erlernt ist, kann jeder seine Resilienz steigern, wenn es ihm daran mangelt. Laut der Resilienzforschung (die gibt es!) sind mehrere Resilienzfaktoren für eine gute seelische und körperliche Widerstandkraft wichtig:

In erster Linie die Überzeugung, dass wir Einfluss auf unser Leben haben. Das Vertrauen in die Selbstwirksamkeit ist die wichtigste Fähigkeit resilienter Menschen. Menschen mit einer guten Widerstandskraft übernehmen für ihr Leben und ihr Handeln die Verantwortung. Menschen mit einer geringen Resilienz sehen sich oft in der Opferrolle  und fühlen sich deshalb hilflos und ohnmächtig. Insgesamt hat die  Forschung sieben wesentliche Resilienz -Schutzfaktoren beschrieben:

Die sieben Säulen der Resilienz:

1.       Selbstwirksamkeit - Sie können aus eigener Kraft etwas bewirken.
Entwickeln Sie Ihr gesundes Selbstvertrauen.

2.       Akzeptanz - Akzeptieren Sie dort, wo kein Einfluss (mehr) möglich ist, das Unabänderliche.
Konzentrieren Sie sich auf Ihren Einflussbereich und Ihre Einflussmöglichkeiten.

3.       Optimismus - Blicken Sie zuversichtlich in die Zukunft, auch in schwierigen Situationen. Kalkulieren Sie Stolpersteine ein und entwickeln Sie alternative Handlungsmöglichkeiten

4.       Lösungsorientierung - Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf mögliche Lösungen und nicht auf die Hindernisse. Seien Sie kreativ und entwickeln Sie Handlungs-Optionen.

5.       Selbstverantwortung - Übernehmen Sie Verantwortung für sich selbst und legen Sie die Opferrolle ab. Setzen Sie Grenzen – sich selbst und anderen.

6.       Das soziale Netzwerk - Pflegen Sie positive Beziehungen.
Geben Sie Unterstützung und nehmen selbst auch Unterstützung an!

7.       Zukunftsorientierung - Orientieren Sie sich an Ihren eigenen Werten. Setzen Sie sich realistische Ziele und verfolgen Sie diese.

Wenn Sie eine Achtsamkeit hierfür entwickeln, stärken Sie Ihre seelische und körperliche Gesundheit. Und Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit und körperlichen Gebrechen. Gesundheit ist nach der Definition der WHO auch die Fähigkeit, das Leben in all seinen Facetten meistern zu können. Und das kann man auch trainieren und  - denn -  

lernen können wir lebenslang!

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