Der Fortschrittsreport des Bundesarbeitsministeriums für Arbeit und Soziales  zur altersgerechten Arbeitswelt liegt in der zweiten Auflage vor.

Er geht darauf ein, warum Weiterbildungsangebote für ältere Beschäftigte so wichtig sind. Als Gründe werden genannt:

  • Aktualisieren der beruflichen Kenntnisse,
  • längere Mitarbeit im Betrieb,
  • Verlängerung des Erwerbslebens.

Fortschrittsreport, 2. Ausgabe:

A2: Betriebliche Weiterbildung Älterer

Die Beteiligung älterer Beschäftigter an der betrieblichen Weiterbildung wird kontrovers diskutiert. Einerseits wird kritisiert, dass ältere Beschäftigte noch zu wenig in die betriebliche Weiterbildung einbezogen sind. Dies sei angesichts der absehbaren Fachkräfteengpässe schwer nachvollziehbar. Andererseits wird darauf verwiesen, dass die Weiterbildungsbeteiligung älterer Erwerbstätiger von 2007 bis 2010 deutlich angestiegen ist, vor allem in der Altersgruppe der 60- bis unter 64-Jährigen. Diese Daten erfassen allerdings auch Selbstständige und nicht-betriebliche Angebote, etwa Volkshochschulkurse.

Zwei Umfragen ermitteln in regelmäßigen Abständen Daten zur betrieblichen Weiterbildung in Deutschland. Im IAB-Betriebspanel* werden alle drei Jahre 16.000 Betriebe in Deutschland zur betrieblichen Weiterbildung Älterer befragt. Im Rahmen des europaweiten Adult Education Survey (AES)** werden alle zwei bis drei Jahre etwa 7.000 Personen in Deutschland zu ihren Bildungsanstrengungen befragt, wobei auch die betriebliche Weiterbildung erfasst wird. Da sich die beiden Erhebungen u. a. hinsichtlich des erfassten Personenkreises (IAB-Betriebspanel: abhängig Beschäftigte, AES: Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren, zum Teil differenziert für Erwerbstätige) unterscheiden, sind direkte Vergleiche nicht unmittelbar möglich. Daher hat das IAW Tübingen*** die Daten des AES für diesen Fortschrittsreport gesondert für abhängig Beschäftigte ausgewertet und damit den erfassten Personenkreis vergleichbar gemacht.

Gemäß IAB-Betriebspanel haben 24 Prozent der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab 50 Jahren im Jahr 2011 an einer betrieblichen Weiterbildung teilgenommen, verglichen mit einer Beteiligungsquote von 29 Prozent der gesamten Belegschaft. Im AES gaben 38 Prozent der älteren abhängig Beschäftigten an, in den vergangenen zwölf Monaten an einer betrieblichen Weiterbildung teilgenommen zu haben, gegenüber 40 Prozent für alle Altersgruppen. Beide Erhebungen zeigen somit trotz aller methodischen Unterschiede, dass die Beteiligung der Beschäftigten ab Alter 50 an der betrieblichen Weiterbildung zwar unterdurchschnittlich ist, der Abstand zum Durchschnitt aber relativ gering ausfällt.

Auchdifferenziert nach Wirtschaftszweigen weisen beide Erhebungen zwar deutliche Unterschiede auf.**** Eine überdurchschnittliche Beteiligung bei der betrieblichen Weiterbildung wird jedoch jeweils für die Branchen Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Finanzen und Versicherungen nachgewiesen. Die geringste betriebliche Weiterbildung wurde jeweils für Beherbergung und Gastronomie sowie für das Baugewerbe erfasst. Die zwischen IAB-Betriebspanel und AES stark unterschiedlichen Werte für die öffentliche Verwaltung lassen keine eindeutige Interpretation zu.

* Sebastian Bechmann et al., Fachkräfte und unbesetzte Stellen in einer alternden Gesellschaft: Problemlagen und betriebliche Reaktionen. IAB-Forschungsbericht 13/2012, Nürnberg.

** Der AES ist eine der Datengrundlagen der Bildungsberichterstattung (Bildung in Deutschland 2012, Bielefeld 2011) und des Weiterbildungsberichts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Weiterbildungsverhalten in Deutschland: AES 2010, Trendbericht, Bonn 2011). 1991-2007 wurde diese Erhebung mit leicht anderem Konzept als BWS durchgeführt.

*** Ausführlicher in Andreas Koch, Weiterbildung älterer Beschäftigter: IAB-Betriebspanel und Adult Education Survey im Vergleich, IAW-Kurzberichte 7/2012, www.iaw.edu

**** Die unterschiedlichen Ergebnisse von IAB-Betriebspanel und AES dürften zu einem großen Teil methodisch bedingt sein. Das IAB-Betriebspanel erfasst nur das erste Halbjahr 2011, das AES die letzten zwölf Monate vor dem Befragungszeitraum. Das AES fragt genauer nach den einzelnen Bildungs- und Weiterbildungsaktivitäten, wodurch die Angaben von Personen mit besonderem Interesse an betrieblicher Weiterbildung möglicherweise überrepräsentiert sind. Zudem ist betriebliche Weiterbildung im AES etwas weiter definiert. Im Allgemeinen gilt, dass die Fehlerquote bei Betriebsbefragungen geringer ist als bei Haushaltsbefragungen.