Der Anti-Hattie - 90% aller empirischen Schulstudien Datenschrott?

Über die Vielzahl der empirischen Studien zur Schul- und Bildungsforschung und den sich widersprechenden Interpretationen äußert sich  der Hamburger Schulsenator Ties Rabe:   „Was bringen die ganzen Studien eigentlich? Die einen Wissenschaftler  ziehen daraus diese Schlussfolgerungen, die anderen jene. Was soll ich denn da glauben?“

Prof.  Ralf Lankau von der Hochschule Offenburg widerspricht in seiner Stellungnahme zu einem Artikel von Martin Spiewak der Annahme vieler Bildungsforscher und -politiker, dass mit den Ergebnissen, den Statistiken aus den zahllosen Untersuchungen aus der Pädagogik und Bildungsforschung sich eine erfolgreiche Bildungspolitik betreiben lässt.

 „Der aktuelle Stand der Wissenschaft, lässt sich formulieren, ist nur der derzeit gültige Irrtum.

„Nach den strengen Maßstäben der Biowissenschaft (…)[dürften] mehr als 90% aller empirischen Schulstudien Datenschrott sein, Pseudoforschung ohne jede valide Aussage.“

Sein Resümee ist:

"Wir können und wollen als Pädagogen Menschen, ihr Lernen und ihre Entwicklung nicht vermessen, sondern aktiv und konstruktiv fördern. Nicht das Erzeugen von Kennzahlen und Rankings anhand von Effektmaßen (Hattie) sind das Ziel, sondern eigenständige und im Wortsinn eigenwillige Persönlichkeiten. Auch Persönlichkeit lässt sich nicht (ver-)messen. Womöglich charakterisiert gerade das Nichtmessbare Wesentliches des Menschen als Individuum und wir müssen erst wieder lernen, die nicht quantifzierbaren Qualitäten des Menschen wertzuschätzen?"

Aber ist nicht eine von Hatties Kernaussagen die, dass, wie es Lankau hier ausdrückt, „Dialog und Vertrauen in Lehrende wie in Lernende“ einer der wichtigsten Faktoren in einer positiven, effektiven Lernbeziehung ist?

Artikel von Ralf Lankau

Studien ohne Ende - Bürger und Politiker haben den Überblick über die Schulforschung verloren. Höchste Zeit, die Daten zu ordnen: Artikel in der ZEIT von Martin Spiewak

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